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AllgemeinWirtschaftThemen23. Juni 2026

Windenergie – aber mit Maß und Mitte

Deutschland befindet sich in einer handfesten energiepolitischen Krise. Anstatt auf eine gut durchdachte, strategische Planung zu setzen, gleicht die aktuelle Energiepolitik einem planlosen Blindflug. Es werden funktionierende Kohle- und Kernkraftwerke abgeschaltet und stattdessen teures Öl und Gas, beispielsweise aus den USA statt aus Russland, importiert.

Windkraftanlagen
Windkraftanlagen

Gleichzeitig belasten eine verfehlte Klimaschutz-Strategie und fehlende Infrastrukturen die Bürgerinnen und Bürger sowie die Wirtschaft massiv. Das BSW steht für einen echten Realitätscheck der Energiewende und fordert eine Abkehr von ideologiegetriebenen Zielen – hin zu Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Technologieoffenheit.

Die Illusion der aktuellen Energiewende

Oft wird suggeriert, die Energiewende sei fast geschafft, weil Wind und Solar rund 60 Prozent unserer Stromerzeugung abdecken. Die Realität sieht jedoch anders aus: Strom macht nur einen Bruchteil unseres Energiebedarfs aus. Gemessen am gesamten Endenergieverbrauch von 2.200 Terawattstunden (TWh) in Deutschland tragen Wind und Solar lediglich 13 Prozent (280 TWh) bei. Der weitaus größte Teil unseres Energiebedarfs für Heizung, Industrie und Mobilität stammt weiterhin aus fossilen Energieträgern.

Die Kosten dieser unkoordinierten Energiewende sind astronomisch. Seit dem Jahr 2000 wurden bereits fast 600 Milliarden Euro ausgegeben. Allein die sogenannten Dispatch-Kosten – Ausgleichszahlungen an Anlagenbetreiber, deren Strom wegen überlasteter Netze nicht abgenommen werden kann – beliefen sich im vergangenen Jahr (2025) auf rund 3,1 Milliarden Euro. Prognosen renommierter Institute gehen davon aus, dass uns die Energiewende bis 2040 zwischen 1,8 und 3,4 Billionen Euro kosten wird, wovon allein der zwingend notwendige Netzausbau rund 500 Milliarden Euro verschlingen wird.

Auch der einseitige Fokus auf CO2-Einsparungen in Deutschland ist global betrachtet ineffektiv. Während China jährlich über 11 Milliarden Tonnen CO2 ausstößt und die USA 4,5 Milliarden Tonnen, liegt Deutschland bei 650 Millionen Tonnen (Sachsen: 50 Millionen Tonnen). Ohne die großen globalen Akteure haben unsere enorm teuren Einsparmaßnahmen kaum einen messbaren Effekt auf das Weltklima, bürden der eigenen Bevölkerung jedoch durch weiter steigende Preise bei Strom und Wärme besondere Härten auf.

Gesetzlicher Zwangsmaßnahmen und die Realität des Windkraftausbaus

Die von der Ampelregierung geschaffenen rechtlichen Rahmenbedingungen setzen auf Zwang statt auf Vernunft. Zentrale Gesetze treiben einen einseitigen Ausbau voran, der oft zu Lasten der Menschen und der Natur geht:

  • Vorrang vor Naturschutz: Durch das novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2023) wurde festgelegt, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien von „überragendem öffentlichen Interesse“ ist (Paragraf 2). Dadurch werden Natur-, Arten- und Landschaftsschutz in Planfeststellungsverfahren nachrangig behandelt.
  • Starre Flächenziele: Das Windenergieflächenbedarfsgesetz zwingt die Länder, verbindliche Quoten zu erfüllen. Sachsen muss bis 2027 1,3 Prozent und ab 2032 sogar 2 Prozent der Landesfläche für Windenergie ausweisen. Werden diese Ziele verfehlt, droht ein völlig ungesteuerter Ausbau („Wildwuchs“) überall im Land.
  • Abbau von Schutzabständen: Bei sogenannten Vorrang- oder Repowering-Gebieten kann der Mindestabstand von Windrädern zur Wohnbebauung auf bis zu 600 Meter abgesenkt werden – eine enorme Belastung durch Schall- und Lichtemissionen für die Anwohner.

Dabei macht der technologische Fortschritt solche starren Flächenziele längst überflüssig. Im Jahr 2025 gibt es in Sachsen 853 Windkraftanlagen mit einer Durchschnittsleistung von 1,59 Megawatt (MW). Die 57 jüngst genehmigten neuen Anlagen haben jedoch eine durchschnittliche Leistung von 6,8 MW. Moderne Anlagen produzieren heute ein Vielfaches an Strom. Obwohl die Gestehungskosten für Windstrom mit 6 bis 8 Cent pro Kilowattstunde mittlerweile günstig sind, fehlt es eklatant an Speichern und Netzen, um diesen Strom auch nutzbar zu machen.

Die BSW-Haltung: Netzausbau vor Neubau und Schutz der Bürger

Das BSW steht für eine Energiepolitik der Vernunft. Das BSW lehnt Windkraft nicht prinzipiell ab, wehrt sich jedoch vehement gegen die unkontrollierte Umzingelung unserer Dörfer und Städte. Die BSW-Forderungen für eine zukunftsfähige und bürgernahe Energiewende sind klar definiert:

a) Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit haben Priorität

Das BSW fordert eine technologieoffene Strategie. Neben erneuerbaren Energien setzt das BSW auf den Erhalt bestehender Biogasanlagen, die Nutzung von Geothermie und den Bau neuer Gaskraftwerke, bevorzugt betrieben mit günstigem Pipeline-Gas. Träumereien von einer gigantischen Wasserstoffinfrastruktur, für die weder geeignete Netze noch Speicher existieren und die extrem hohe Kosten verursachen würde, erteilt das BSW eine klare Absage.

b) Erst Speicher und Netze ausbauen, dann neue Windräder errichten

Ein weiterer Ausbau der Windkraft ergibt nur Sinn, wenn die Infrastruktur mitwächst. Aktuell wachsen die deutschen Speicherkapazitäten um lediglich 6,5 Gigawattstunden pro Jahr. Um eine 14-tägige Dunkelflaute (Zeiträume ohne Wind und Sonne) im Winter abzusichern, bräuchte Deutschland jedoch rund 12.000 Gigawattstunden – bei aktuellem Tempo würde dieser Aufbau 87 Jahre dauern. Zudem ist das deutsche Stromnetz erst zu 3 Prozent digitalisiert. Der Ausbau der Netze und Speicher muss Vorrang haben.

c) Weg mit starren Flächenzielen – hin zu Leistungszielen

Weil moderne Windkraftanlagen wesentlich effizienter sind, benötigt Deutschland für die gleiche Strommenge heute viel weniger Fläche. Das BSW setzt sich daher dafür ein, die prozentualen Flächenverpflichtungen komplett zu streichen und durch intelligente Leistungs- oder Ökostromziele zu ersetzen. Das BSW konnte im sächsischen Landtag bereits erste Erfolge erzielen und durchsetzen, dass ein Drittel der Flächenziele für 2032 fallengelassen wird. Vorrang muss zudem das Repowering (Ersatz alter Anlagen durch neue) am gleichen Standort haben.

d) Natur und Bürger schützen

Das BSW fordert die sofortige Rücknahme der Privilegierung der Windkraft im EEG. Landschafts-, Natur- und Artenschutz müssen zwingend wieder gleichrangig behandelt werden. Zum Schutz der Anwohner fordert das BSW einen Mindestabstand von 1.000 Metern zur Wohnbebauung. Zudem lehnt das BSW den Bau von Windindustrieanlagen in unseren Wäldern ab – der Wald muss in seiner unverzichtbaren Erholungs- und Schutzfunktion bewahrt bleiben.

e) Echte Beteiligung statt Almosen für Kommunen

Die bisherige Ertragsbeteiligung von 0,3 Cent pro Kilowattstunde speist Kommunen mit Kleinstbeträgen ab, während Investoren hohe Gewinne erzielen. Das BSW fordert eine gesetzliche Pflicht für Projektträger, den betroffenen Kommunen und Bürgern eine direkte finanzielle Projektbeteiligung von bis zu 20 Prozent anzubieten. Darüber hinaus müssen wasserdichte gesetzliche Regelungen zu Sicherheitsleistungen für den Rückbau alter Anlagen getroffen werden. Im Falle einer Insolvenz des Betreibers dürfen die enormen Rückbaukosten auf keinen Fall an den Grundstückseigentümern oder ohnehin klammen Kommunen hängen bleiben.

Eric Recke und Carsten Berg
Eric Recke und Carsten Berg

Fazit

Die Energiepolitik muss wieder in den Dienst der Bürgerinnen und Bürger sowie der heimischen Wirtschaft gestellt werden. Deutschland braucht keine ideologischen Luftschlösser, sondern strategische Planung, bezahlbare Preise und Respekt vor unserer Natur und Lebensqualität.

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