Ohne eine tiefgreifende Digitalisierung der Energieinfrastruktur wird die Umstellung von einer zentralen auf eine dezentrale Versorgung scheitern. Digitale Systeme und smarte Ortsnetzstationen sind zwingend erforderlich, um Millionen dezentraler Einspeiser in Echtzeit zu steuern, Großverbraucher intelligent zu regeln und dynamische Stromtarife für den Endverbraucher nutzbar zu machen. Statt Leitungen pauschal für seltene Lastspitzen massiv und teuer auszubauen, ist es mit der Digitalisierung möglich, die bestehende Infrastruktur optimaler auszulasten und damit die Netzentgelte für Bürger und Industrie stabil zu halten. Das größte Hemmnis auf diesem Weg ist aber nicht die technologische Herausforderung, sondern die lähmende bürokratische Trägheit in Deutschland, die für ein Gelingen der Energiewende dringend abgebaut werden muss.
Wenn diese tiefgreifenden systemischen Zusammenhänge betrachten werden, wird deutlich, wie schädlich eine verkürzte und populistische Kommunikation in der Energiepolitik ist. Komplexe Infrastrukturfragen lassen sich nicht nachhaltig mit einfachen Slogans lösen. Auch führt das bloße Hervorheben von Einzelelementen des Energiesystems – wie dem permanenten medialen Fokus auf das einzelne Windrad – zu blindem Aktionismus und berechtigtem Misstrauen in der Bevölkerung.
Eine verantwortungsvolle Politik der Vernunft darf nicht polarisieren, sondern muss die unterschiedlichen Sorgen der Menschen ernst nehmen und sie in einem ganzheitlichen Systemansatz zusammenführen. Auf dem Weg zu einer dekarbonisierten Wirtschaft gibt es keine Abkürzungen. Darum fordert das BSW, dass der Übergang so gestaltet werden muss, dass Energie für die Menschen und die Industrie stets sicher, stabil und bezahlbar bleibt.
Foto Boris Hamer (Pexels)