Mit dem permanenten Ausbau der erneuerbaren Energien soll die Energiewende weiter vorangetrieben werden. Mit der Einspeisung von erneuerbaren Energien in das Stromnetz, sind verschiedene Herausforderungen verbunden. Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien ist die Anzahl der in das Netz einspeisenden Energieerzeuger erheblich angewachsen. Das Energiesystem ist dadurch dezentraler und diversifizierter geworden. Die Zahl der in das Stromnetz unstetig einspeisenden Stromerzeuger ist dramatisch angestiegen. Die damit verbundene Komplexität der Netzinfrastruktur verlangt nach neuen technischen Lösungen. In einem Zeitungsinterview fordert EON-CEO Lenard Birnbaum zur Sicherung der Netzstabilität dringend eine stärkere Konzentration auf die Netzinfrastruktur und Regeltechnik. [5] Mit der Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen sind neue Herausforderungen verbunden, welche mit der Steuerung der Momentanreserve und der Bereitstellung einer stabilen Grundlast verbunden sind und dringend gelöst werden müssen. [4]
Es gibt eine Vielzahl von Studien, die bemängeln, dass Wasserstoff aufgrund der hohen Energieverluste bei der Herstellung, dem Transport und der Speicherung ein knapper und zu wertvoller Energieträger bleiben wird. Wasserstoff sollte daher nur in Sektoren eingesetzt werden, in denen eine direkte Elektrifizierung technisch nicht möglich oder wirtschaftlich nicht sinnvoll ist. Das könnte, wenn Wasserstoff am Ort des Verbrauchs hergestellt werden könnte, vor allem in der chemischen Industrie und in der Stahlindustrie sinnvoll zur Anwendung kommen. [9] Der EU-Rechnungshuf und der Bundesrechnungshof kritisieren unter anderem die nicht vorhandene Wirtschaftlichkeitsbetrachtung, die nicht mit den Markterfordernissen Bedarfsplanung und äußern Bedenken in der Hinsicht, dass die geplante Wasserstoffwirtschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit nur mit dauerhaften Subventionen überleben kann. [2] [3] Verschiedene Studien beispielsweise von PwC und KfW Research Fokus untermauern diese Einschätzungen. [6] [1]
Die Dekarbonisierung von Wärmeversorgung und Mobilität ist ein zentrales Ziel der Energiepolitik. Die Sächsische Staatsregierung setzt bei der Erreichung dieser Ziele jedoch zu stark auf Wasserstoff als vermeintliche Universallösung, obwohl dieser laut wissenschaftlichem Konsens in vielen Anwendungsbereichen, insbesondere bei der Gebäudewärme und der Mobilität die ineffizienteste und teuerste Option darstellt.
Es gibt in der Welt kein einziges recherchierbares und dokumentiertes Wasserstoff-Projekt, welches technisch und wirtschaftlich erfolgreich implementiert werden konnte. Das Entwicklungsniveau der technischen Komponenten befinden sich derzeit noch auf einem sehr niedrigen Niveau, so dass anwendbare Wasserstofflösungen mit hoher Wahrscheinlichkeit in annehmbarer Zeit nicht zur Verfügung stehen werden.
Der Sicherheit und Bezahlbarkeit der Wärme- und Energieversorgung sollte im Sinne der sächsischen Bevölkerung priorisiert werden. Eine Vernachlässigung der bezahlbaren Energiesicherheit birgt ein hohes Risiko von sozialen Spannungen und gesellschaftlichen Verwerfungen.
Die Nutzung von Wasserstoff in der Wärmeversorgung weist erhebliche physikalische Energieverluste auf. Der Gesamtwirkungsgrad ist über den Gesamtlebenszyklus betrachtet im Normalfall weit unter 40 %. Demgegenüber stehen hocheffiziente Alternativen wie Wärmepumpen, die mit direkt genutztem Strom einen Wirkungsgrad von meist über 300 % erreichen. Es ist daher aus ökonomischer und ökologischer Sicht nicht vertretbar, knappe und teure grüne Wasserstoffmengen in Bereichen einzusetzen, in denen effizientere direktelektrische Lösungen verfügbar sind. Der Import von Wasserstoff und/oder der Transport von Wasserstoff über längere Distanzen ist technisch und wirtschaftlich nicht abbildbar. [8]
Wasserstoff zu verbrennen ist grundsätzlich ineffizient und teuer. Bei der E-Mobilität (Batterieelektrisch) wird Strom direkt in eine Fahrzeugbatterie geladen, der dann einen Elektromotor antreibt. Der Wirkungsgrad vom Stromnetz bis zur Bewegung des Rades liegt bei ca. 70 bis 80 %. Wird der Wirkungsgrad eines auf Wasserstoff basierenden Fahrzeugantriebs betrachtet liegt der Gesamtwirkungsgrad von der Stromquelle bis zum Rad beträgt in der Praxis nur bei ca. 25 bis 35 %. Für die gleiche zurückgelegte Strecke benötigt ein Wasserstoffauto also etwa zwei- bis dreimal so viel Strom wie ein Batterieauto. Werden die notwendige Infrastruktur und Sicherheitsaspekte berücksichtigt, wird die E-Mobilität hinsichtlich Energieeffizienz und Kosten immer im Vorteil sein.
Wasserstoff könnte ein Zukunftsthema eher für die Chemische und Stahlindustrie werden, wenn die technischen Herausforderungen durch Forschung und Entwicklung gelöst sind und eine nahezu unbegrenzte und stetige Energiequelle zur Verfügung steht. Eine zeitnahe Änderung der vorrangig auf Wasserstoff basierenden Strategie zur zukünftigen de-karbonisierten Wärme- und Energieversorgung und der Mobilität technisch und wirtschaftlich nicht möglich. Aus diesem Grund muss die Wärme- und Energieversorgung und die Mobilität noch einige Zeit mit Brückentechnologien abgesichert werden.
Der EU-Rechnungshof und auch der Bundesrechnungshof haben hinsichtlich der H2-Strategie bemängelt, dass die Ziele unrealistisch, die Wirtschaftlichkeitsberechnungen falsch und technische Voraussetzungen nicht gegeben sind. Der Bundesrechnungshof geht im letzten Bericht davon aus, dass die angestrebte sogenannte Wasserstoffwirtschaft nur mit Dauer-Subventionen überleben kann. Der Einsatz von Wasserstoff wird immer eine Nischenanwendung bleiben und für einen flächendeckenden Einsatz technisch und wirtschaftlich eher schwierig umsetzbar sein. [3] [2]
Die im zweiten Umsetzungsbericht zur Sächsischen Wasserstoffstrategie beschriebenen Erfolgsmeldungen beziehen sich ausschließlich auf Kompetenzzentren, Kongresse, Verträge zur Zusammenarbeit, Delegationsreisen, Empfängen, Aus- und Weiterbildungen, neuen Studiengängen, Imagefilmen, Gesetzgebungsverfahren, Lobbyarbeit, finanziellen Beteiligungen, Förderrichtlinien und beispielsweise auch die Veröffentlichung eines Weißbuches. Der Umsetzungsbericht fordert ebenfalls als Maßnahme die Förderung eines H2-LKWs, auch wenn diese Entwicklungen aus technischen und wirtschaftlichen Gründen bereits weltweit massiv zurückgefahren wurden. (siehe Prof. Maximilian Fichtner vom Helmholtz-Institut Ulm im ARD-Interview zu H2-LKWs am 08.07.2025) . [10] Die Ergebnisse stehen in keinem Verhältnis zu den eingesetzten finanziellen Mittel.
Der notwendige Ausbau der Stromnetze, der Ausbau von Speicherkapazitäten und die notwendige Digitalisierung der Netzinfrastruktur zur Stabilisierung der Wärme- und Energieversorgung wird in Sachsen nicht mit der gebotenen Dringlichkeit verfolgt. Die Stabilität der Netze und die Fähigkeit Energie effizient zu speichern und zu verteilen, sind jedoch fundamentale Voraussetzungen für die Energiesicherheit und am Ende eine gelingende Energiewende. [7]
Durch die Umschichtung von Mitteln von ineffizienten Wasserstoffanwendungen hin zu Netzinfrastruktur, Digitalisierung und Speichertechnologien kann der Freistaat Sachsen seine Klimaziele schneller, kosteneffizienter und systemisch robuster erreichen. Die Priorisierung der direkten Elektrifizierung entspricht dem „Efficiency First“-Prinzip der Europäischen Union und sichert die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der sächsischen Wirtschaft und die Bezahlbarkeit der Energieversorgung für die Bürgerinnen und Bürger.