Investitionen in Infrastruktur und Bildung fördern das langfristige Wirtschaftswachstum in der Regel stärker als Verteidigungsausgaben. Studien zeigen über längere Zeiträume eine negative Korrelation zwischen massiv steigenden Militärausgaben und dem BIP-Wachstum. Dabei kann 1 % mehr Rüstung das wirtschaftliche Wachstum langfristig um bis zu 9% dämpfen.
Das Argument, dass militärische Forschung „Spin-off“-Effekte für die zivile Industrie haben könnte, konnte in der Praxis bisher im relevanten Maßstab nicht nachgewiesen werden.
Eine zivile Wirtschaft gilt generell für das allgemeine gesellschaftliche Wohlergehen und die langfristige Produktivität ökonomisch als effizienter. Eine rüstungsbasierte Wirtschaft wird in der Regel mit sogenannten sicherheitspolitischen Notwendigkeiten begründet und legitimiert, birgt aber das Risiko einer „Rüstung ohne Rendite“, da die produzierten Güter konsumtiv zerstört werden oder ungenutzt veralten, statt produktiv im Wirtschaftskreislauf zu wirken. [1]
Laut den Ende 2025 veröffentlichten Berechnungen der Europäischen Zentralbank belaufen sich die möglichen zusätzlichen Wachstumseffekte durch höhere Verteidigungsausgaben auf lediglich rund 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, prognostiziert für das Jahr 2027. Selbst wenn die Militärausgaben weiter steigen würden, wären das Wachstum entsprechend der Prognose der EZB nur 0,4 bis 0,6 Prozent. Betrachtet man die Statistiken der letzten Jahre und berücksichtigt den Fakt, dass das Wirtschaftswachstum in Sachsen im Schnitt 0,5 % unterhalb des Wachstums der gesamten Bundesrepublik liegt, muss davon ausgegangen werden, dass speziell in Sachsen kein Wachstum aus der Hochrüstung generiert werden kann.
Die EZB warnt ebenfalls davor, dass zusätzliche Rüstungsausgaben eher preistreibend sein könnten. Laut EZB wirken zusätzliche Verteidigungsausgaben stärker inflationär, wenn durch die Rüstungsproduktion die zivilen Produktionskapazitäten beeinträchtigt werden. [2]
Die von der Universität Mannheim im Juni 2025 vorgelegte Studie analysiert die wirtschaftlichen Auswirkungen der geplanten Steigerung der Militärausgaben auf Basis einer vorhandenen wissenschaftlichen Evidenz. Die Analyse zeigt, dass pro zusätzlichen Euro für die Rüstungsindustrie im theoretischen Idealfall nur 50 Cent zusätzliche gesamtwirtschaftliche Produktion generiert werden kann. Dabei schließt die Studie nicht aus, dass mit der zusätzlichen Rüstung generell kein Produktionseffekt verbunden ist. Es wird weiterhin darauf verwiesen, dass bei gezielten Investitionen in die öffentliche Infrastruktur mit einem Fiskalmultiplikator von 2, beim Ausbau der Betreuungsinfrastruktur in Kitas und Schulen der Multiplikator sogar mit 3 gerechnet werden kann. Die Studie stellt im Fazit fest, dass aus ökonomischer Sicht die geplante Militarisierung der deutschen Wirtschaft eher als eine risikoreiche Wette mit niedriger gesamtwirtschaftlicher Rendite zu bewerten ist. [3]
Selbst die eher konservativ einzuschätzende RAND National Security Research Division kommt zum gleichen Ergebnis. Die Priorisierung von Verteidigungsausgaben gegenüber Infrastrukturinvestitionen, könnte das Wirtschaftswachstum und damit auch die für die Verteidigung verfügbaren Ressourcen langfristig untergraben. Mit steigender Staatsverschuldung besteht zudem das Risiko, dass die Verteidigungsausgaben letztendlich einen schädlichen Einfluss auf die Gesamtwirtschaft haben könnten.
In der Zusammenfassung bedeutet dies:
- Höhere Militärausgaben korrelieren signifikant mit negativen Indikatoren für nachhaltige Entwicklung.
- Militärausgaben tragen zu erhöhten Sterblichkeitsraten und Armut bei und verringern gleichzeitig den Zugang zu Bildung bei.
- Rüstung verursacht enorme negative ökologische Folgen [4]
Weitere Forschungsergebnisse zeigen: Steigende Militärausgaben sind grundsätzliche keine gute Investition in eine nachhaltige Entwicklung und belegen:
- einen negativen Effekt auf das Wirtschaftswachstum;
- Anstiege der Auslandsverschuldung;
- eine Verringerung der Gesundheits- und Bildungsausgaben;
- eine Verschärfung der Einkommensunterschiede in der Gesellschaft;
- eine Zunahme der Arbeitslosigkeit;
- eine Abnahme der Anzahl von Frauen an der nationalen Arbeitskraft [5] [6]
Die UNO verweist auf eine US-Studie, die den Zusammenhang zwischen Rüstungsindustrie und die Situation auf dem Arbeitsmarkt untersucht. Diese Studie stellt fest, dass Militärausgaben zwar Arbeitsplätze schaffen, andere zivile Sektoren jedoch im Allgemeinen mit denselben Ressourcen wesentlich mehr Arbeitsplätze generieren können. Beispielsweise können mit 1 Milliarde US-Dollar Militärausgaben etwa 11.200 Arbeitsplätze im Militär geschaffen werden, verglichen mit 26.700 im Bildungsbereich, 16.800 im Bereich saubere Energie und 17.200 im Gesundheitswesen.
Die selektive Auswahl der zuvor angeführten Berechnungen und Studien zeigt, dass die Konzentration auf eine Rüstungsproduktion in Sachsen keine oder nur äußerst geringe und vor allem nur kurzfristige Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung des Bundeslandes Sachsen haben wird.