Es gibt derzeit eine Vielzahl mit Wasserstoffpipelines verbundenen technischen Herausforderungen, die bei den Planungen nicht oder nur unzureichend berücksichtigt wurden. In der öffentlichen Kommunikation wird derzeit eher eine „einfache“ technische Umsetzung mit dem Slogan „H2 ready“ suggeriert. Dieses vom TÜV Nord ausgestellte Zertifikat bedeutet in der Wirklichkeit jedoch nicht, dass ein funktionierendes technisches System zertifiziert wurde, sondern es wird lediglich ein Fahrplan beschrieben, wie im Laufe der Zeit (eventuell) funktionierende technische Lösungen entwickelt werden können. [6] Dabei werden für das „H2 ready“-Zertifikat drei Konzeptstufen beschrieben: Concept Certificate, Project Certificate und Transition Certificate. [7] Die darin theoretisch beschriebenen Konzepte sind neben der technischen Beschreibung beispielsweise auch Explosionsschutzkonzepte, Brand¬schutzkonzepte, die Gefahren- und Risikoanalysen sowie die Konformität und die Genehmigungen. Die Zertifizierung erfolgt demnach also vornehmlich auf theoretischen Konzepten. Die Entwicklung von neuen, dann technisch funktionierenden „H2-Ready“-Systemen, ist mit Blick auf das politisch-regulatorische Investitionsumfeld, den um sich greifenden Fachkräftemangel, dem Thema Brennstoffverfügbarkeit und Lieferkettenproblemen sowie in Bezug auf Schwierigkeiten bei Planungs- und Genehmigungsverfahren, in Verbindung mit den aktuell stattfindenden (europaweiten) Markteingriffen außerordentlich schwierig, unsicher und von besonderen Risiken geprägt. [8]
Die mit der Umrüstung auf Wasserstoff verbundenen technischen Herausforderungen sind derzeit noch nicht gelöst. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese technischen Herausforderungen unter Beachtung der Wirtschaftlichkeit gelöst werden können, muss als eher niedrig eingeschätzt werden. Derzeit wird bei der Umrüstung von Erdgaspipelines vor allem eine „Rohr-in-Rohr“-Technologie eingesetzt. Dieses „Pipe-in-Pipe“ (PiP) ist ein Verfahren, bei dem in die bereits bestehende Pipeline eine kleinere, auf Wasserstoff optimierte Pipeline eingesetzt wird. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass die zuvor beschriebenen Probleme damit gemindert, aber nicht vollständig beseitigt werden können. Wenn diese Maßnahmen angewendet werden, muss wegen der durch Wasserstoff bedingten erhöhten Beanspruchung im besten Falle trotzdem geschätzt von einer mindestens 25-prozentigen Reduzierung der Nutzungszeit der Pipelines ausgegangen werden.
Ein hier beispielhaft genanntes Thema für die mit dem Transport von Wasserstoff verbundenen technischen Herausforderungen, sind die benötigten für Wasserstoffpipelines geeigneten Verdichter. Unabhängig davon, dass auf 1.000 km Pipeline gerechnet ca. die achtfache Anzahl benötigt wird, sind technisch zertifizierte und in der Praxis nachweislich funktionierende skalierbare Systeme noch nicht dokumentiert nachprüfbar. Nach Angaben von Everllence (ehemals MAN Energy Solutions), Siemens Energy oder Atlas Copco bieten diese Unternehmen diese Art Verdichter an. Außerhalb von 3D-Renderings konnten jedoch noch keine Nachweise erbracht werden, dass diese Verdichter bereits funktionstüchtig zur Verfügung stehen und in relevanter Stückzahl sicher eingesetzt werden können. Ein Hinweis, dass die Angebote der Anbieter wahrscheinlich eher dem Marketing zuzuordnen sind, können daraus abgeleitet werden, dass mitgeteilt wird, dass eine Lieferung solcher Verdichter eventuell im Jahr 2026 erfolgen könnte.
Ein derzeit nicht diskutiertes und nach den Anschlägen auf die Energieinfrastruktur in Berlin eigentlich sehr wichtiges Thema, ist die Frage nach der möglichen Terrorabwehr. Die hohe Explosivität und von Wasserstoff und die technischen Unzulänglichkeiten der mit Wasserstoff zusammenhängenden Infrastruktur, ermöglichen verhältnismäßig einfach durchführbare Terroranschläge mit einem enormen flächengroßen Schaden.