Zurück
LandesverbandAktuelles15. August 2026

Geschichte verstehen, Zukunft gestalten – Dr. Claudia Wittig im Gespräch

Eine Zusammenfassung eines Interviews mit Dr. Claudia Wittig, Spitzenkandidatin des BSW in Sachsen-Anhalt

In einer Zeit, in der das politische Establishment den Kontakt zur Lebensrealität der Menschen im Osten verloren hat, entwickelt sich eine neue „Wendestimmung“. Diese ist nicht nur Protest, sondern der angemeldete Anspruch auf eine zweite demokratische Souveränisierung.

Dr. Claudia Wittig - Spitzenkandidatin des BSW in Sachsen-Anhalt
Dr. Claudia Wittig - Spitzenkandidatin des BSW in Sachsen-Anhalt

Dr. Claudia Wittig, Spitzenkandidatin des BSW in Sachsen-Anhalt, verkörpert diesen Aufbruch mit einer intellektuellen Klarheit, die das System nicht nur kritisiert, sondern in einem historischen Bezug analysiert. Als erfahrene Historikerin begreift sie Politik nicht als alternativloses Verwalten von Sachzwängen, sondern als ein Feld permanenter Machtverhandlungen, welches heute dringender denn je vom Kopf auf die Füße gestellt werden muss.

Machtverhandlung und das Erbe der Wende

Dr. Claudia Wittigs wissenschaftlicher Hintergrund ist weit mehr als auf die Vergangenheit gerichtete akademische Betätigung; ihre Wissenschaft gibt ihr für ihre politische Arbeit einen methodischen Werkzeugkasten an die Hand. In ihrer Forschung zu „Learning to be Noble“ analysiert sie, wie sich politische Eliten bereits im Mittelalter über den Anspruch moralischer Superiorität, also die „Herrschaft der Besten“, legitimierten. In der Tradition von Philip Manows politischer Anatomie entlarvt sie die heutige moralische Selbsterhöhung der Altparteien als moderne Form dieser aristokratischen Anmaßung. Wittig wendet eine konsequente historisch-kritische Methodik auf die Gegenwart an. Sie zerlegt das derzeitige parlamentarische System als ein historisches Konstrukt, das vor allem Machtinteressen schützt, anstatt eine Art Naturgesetz der Demokratie zu sein. Wenn Eliten heute versuchen, unliebsame Diskurse moralisch zu diskreditieren, erkennt Wittig darin die alten Mechanismen der Ausgrenzung. Ihr Versprechen ist daher programmatisch: „Wir machen die Spaltung der Gesellschaft nicht mit.“ Die Bürger Sachsen-Anhalts, welche die Erfahrung der Wende von 1989 in ihrer DNA tragen, weigern sich heute, sich ihre Souveränität erneut durch eine bevormundende „Erziehungspolitik“ aus der Hand nehmen zu lassen. Wahre Mitbestimmung beginnt dort, wo die moralische Maskerade der Mächtigen endet. Doch diese demokratische Sehnsucht bleibt eine Illusion, solange sie auf einem Fundament ökonomischer Abhängigkeit steht.

Den Teufelskreis der „verlängerten Werkbank“ durchbrechen

Dr. Claudia Wittig - Spitzenkandidatin des BSW in Sachsen-Anhalt
Dr. Claudia Wittig - Spitzenkandidatin des BSW in Sachsen-Anhalt

Seit einem Vierteljahrhundert zementiert die CDU-geführte Landesregierung den Status Sachsen-Anhalts als „verlängerte Werkbank“. Während in den Innenstädten hübsch sanierte Fassaden über den strukturellen Verfall hinwegtäuschen sollen, ist das ökonomische Fundament marode. Qualifizierte junge Menschen verlassen das Land, weil sie in einem System von Niedriglohnjobs keine Zukunft sehen. Dieser Teufelskreis aus Abwanderung und Fachkräftemangel ist das Ergebnis einer Politik, die das Fundament vernachlässigt hat, nur um kosmetische Korrekturen zu feiern.  Besonders drastisch offenbart sich dieses Versagen im Bildungssystem, wo Sachsen-Anhalt die „rote Laterne“ trägt.

Sachsen-Anhalt hat die höchste Schulabbrecherquote Deutschlands und einen massiven Stundenausfall. Eltern werden abgeschreckt, da niemand seinen Kindern diesen Startnachteil zumuten will. Das BSW wird sich intensiv auf die Lehrergewinnung durch attraktive Bleibeperspektiven statt bloßer Verwaltung des Mangels konzentrieren. Es muss ein Schulsystem werden, das wieder echtes Wissen vermittelt und Leistung ermöglicht.

Wittig setzt der Deindustrialisierung pragmatische, visionäre Konzepte entgegen. Am Beispiel Weißenfels zeigt sie, wie der ländliche Raum durch die Umnutzung alter Industriearchitektur, etwa ehemaliger Schuhfabriken, zu modernen Wohn- und Startup-Arealen mit Glasfaseranschluss wiederbelebt werden kann. Gleichzeitig fordert sie eine harte Bundesratsinitiative zur Sicherung günstiger Energiepreise. Ohne den Bezug von preiswertem Gas und Öl ist beispielsweise das Chemiedreieck dem Untergang geweiht. Nur ein wirtschaftlich souveräner Bürger, der frei von der existenziellen Angst einer „verlängerten Werkbank“ ist, kann seine demokratischen Rechte wirksam wahrnehmen.

Demokratie vom Kopf auf die Füße stellen

Das BSW-Verständnis von Demokratie geht weit über das rituelle „Kreuzchen-Machen“ alle vier Jahre hinaus. Dr. Claudia Wittig fordert eine Transformation hin zur echten Souveränität durch das Modell der „Bürgerregierung“: „Die Idee ist, dass alle Personengruppen, die von einer politischen Entscheidung betroffen sind, auch in den Entscheidungsfindungsprozess einbezogen werden. Wir wollen keine symbolische Anhörung, sondern echte Verbindlichkeit.“

In der Gesundheitspolitik bedeutet dies beispielsweise, dass Pflegekräfte und Patientenvertreter direkt mit am Entscheidungstisch sitzen, anstatt von einer fernen Bürokratie fremdbestimmt zu werden. Diese Verbindlichkeit muss durch Volksentscheide bei irreversiblen Weichenstellungen, wie bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr oder der Privatisierung staatlicher Ressourcen, ergänzt werden. Scharfe Kritik übt Wittig an Programmen wie „Demokratie leben!“, die sie als „staatlich bezuschusste Meinungsmache“ beschreibt. Wenn der Staat Millionen investiert, um die Opposition zu bekämpfen, anstatt ideologiefreie Diskursräume im ländlichen Raum zu fördern, ist das ein Missbrauch öffentlicher Mittel. Demokratieförderung heißt für Wittig, Menschen in Vereinen und Schulen zusammenzubringen, damit sie wieder lernen, sachlich und hart in der Sache zu streiten, ohne sich gegenseitig die moralische Existenzberechtigung abzusprechen. Diese neue Offenheit ist das einzige Mittel gegen das erstarrte Lagerdenken.

Pragmatismus statt Brandmauern

Die sogenannte „Brandmauer“ ist für das BSW kein Schutzmechanismus der Demokratie, sondern eine schädliche Scharade, die den Wählerwillen verhöhnt und den Stillstand verwaltet. Wittig verweist auf die Absurdität im sächsischen Landtag, wo die Grünen einen eigenen Antrag zurückziehen wollten, nur weil BSW und AfD zustimmten. Diese Form der Blockadepolitik würde in Sachsen-Anhalt zu einer drohenden Fortsetzung des „Weiter-so“ durch instabile Allianzen führen. Diese Art der Brandmauerpolitik kennt nur ein Ziel: Veränderung zu verhindern. Das BSW wird dieses Kartell aufbrechen. Wittig betont, dass das BSW keinen CDU-Ministerpräsidenten wählen wird, der bereits für 25 Jahre Niedergang steht. Stattdessen fordert das BSW in Sachsen-Anhalt wechselnde, sachbezogene Mehrheiten. Wittig nennt dabei sechs Kernprojekte der parlamentarischen Arbeit des BSW:

  • Bildungsoffensive: Sofortige Maßnahmen gegen den Lehrermangel.
  • Pflegegeld: Einführung einer angemessenen Unterstützung für Pflegende.
  • Energiepreise: Senkung der Kosten zur Rettung des Industriestandorts.
  • ÖRR-Reform: Grundlegende Neuausrichtung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
  • Innere Sicherheit: Stärkung der Rechtsstaatlichkeit und Präsenz.
  • Meinungsfreiheit: Schutz des offenen Diskurses vor staatlicher Repression.

Wittig will die 41 % der Bürger, die aktuell die AfD in Erwägung ziehen, durch echte inhaltliche Angebote zurückholen. Niemand soll AfD wählen müssen, nur um dem Establishment „eins auszuwischen“. Wer einen echten Politikwechsel will, findet im BSW die seriöse Alternative, die den Mut hat, über ideologische Gräben hinweg für das Land zu entscheiden.

Wissenschaftsfreiheit und Frieden

Dr. Claudia Wittig führt ihren Kampf für den freien Diskurs auch gegen persönlichen Widerstand. Der Vorfall an ihrer Hochschule, die öffentliche Distanzierung der Rektorin und die haltlosen Antisemitismus-Vorwürfe nach der Einladung der renommierten Politikwissenschaftlerin Helga Baumgarten sind ein Symptom für die Erosion der Wissenschaftsfreiheit. In einem System von befristeten Verträgen ist eine solche öffentliche Brandmarkung durch die Leitung ein versuchter Karrieremord und ein Signal zur Selbstzensur an alle Kollegen. Wittig kritisiert die starke Ungleichheit der universitären Solidarität. Während für die Ukraine in Rekordzeit Hilfsprogramme entstanden, herrscht zum Leid in Gaza ohrenbetäubendes Schweigen. Jede Kritik wird unter dem Deckmantel einer missbräuchlich weit gefassten IHRA-Definition kriminalisiert. Universitäten müssen jedoch Orte sein, an denen über Kriegsverbrechen, ob im Libanon, im Iran oder in Gaza, ohne Angst debattiert werden kann. Diese Standhaftigkeit verbindet Wittig mit einer klaren Friedenspolitik. Hochschulen dürfen nicht für militärische Zwecke instrumentalisiert werden. Die Ansiedlung von Rüstungskonzernen wie in Sangerhausen macht die Region zur Zielscheibe und profitiert so vom Morden weltweit. Das ist kriminell und widerspricht der historischen Verantwortung Deutschlands. Dr. Claudia Wittig steht für einen Diskurs „ohne Schaum vor dem Mund“. Ihr Ziel ist ein souveränes, friedliches und sozial gerechtes Sachsen-Anhalt, das sich nicht länger hinter einer verengten Staatsräson versteckt, sondern seine Zukunft mutig und selbstbestimmt gestaltet. Sie ist sich sicher: Das neue Kapitel für unser Land beginnt jetzt.

» Der Text ist eine Zusammenfassung eines Interviews, welches Dr. Claudia Wittig mit den NachDenkSeiten führte.

» BSW Landesverband Sachsen-Anhalt

Zurück

Weitere Neuigkeiten

Tagung des Landesausschusses
Tagung des Landesausschusses
Landesverband13. September 2026

Der BSW-Landesausschuss wählt seinen Vorstand

Das BSW in Sachsen geht bei der innerparteilichen Mitbestimmung voran. Seit einigen Monaten verfügt der sächsische Landesverband über ein bundesweit bisher einmaliges Gremium.

Mehr lesen