Öffnet in einem neuen Tab
Zurück
Landesverband•Aktuelles•8. Oktober 2026

Sachsen muss bei Spezial-Chips und Robotik eigene Stärken ausbauen

Im Rahmen eines Fachgesprächs mit Professor Gerhard Fettweis, Geschäftsführer des Barkhausen-Instituts, erörterte Professor Dr. Jörg Scheibe, Sprecher für Wissenschaft und Hochschulen der BSW-Fraktion im Sächsischen Landtag, die industriepolitischen Perspektiven der sächsischen Halbleiter-landschaft.

Professor Gerhard Fettweis und Professor Scheibe diskutieren über Spezial-Chips und Robotik
Professor Gerhard Fettweis und Professor Scheibe diskutieren über Spezial-Chips und Robotik

m Zentrum der Diskussion stand die Frage, wie der Freistaat angesichts einer drückenden globalen Übermacht internationaler Technologiekonzerne seine industrielle Wertschöpfung und Souveränität nachhaltig sichern kann.

Taiwan kontrolliert über 60% des globalen Foundry-Marktes

Ein realistischer Blick auf die weltweiten Zahlen verdeutlicht die gewaltigen Dimensionen des Halbleitermarktes. Taiwan kontrolliert über sechzig Prozent des globalen Foundry-Marktes für Auftragsfertigung und bei den Größen unter zehn Nanometern sogar über neunzig Prozent der weltweiten Kapazitäten. Allein der taiwanische Branchenprimus TSMC beansprucht über siebzig Prozent dieses Weltmarktes für sich. Zugleich wird das margenstarke Chipdesign fast vollständig von außereuropäischen Großunternehmen beherrscht, angeführt von US-Konzernen wie Nvidia mit einem Jahresumsatz von über zweihundert Milliarden US-Dollar oder Broadcom und Qualcomm mit jeweils rund vierzig Milliarden US-Dollar. Mit Mediatek hat Taiwan zudem einen fablosen Entwickler mit fast zwanzig Milliarden US-Dollar Jahresumsatz einen großen Player in diesem Markt. Demgegenüber existiert in Europa mit dem Dortmunder Unternehmen Elmos lediglich ein einziger fabloser Chipentwickler mit einem Jahresumsatz von mehr als einhundert Millionen Euro.

Vor diesem Hintergrund ist die Vorstellung, Sachsen könne sich aus eigener Kraft zu einem zweiten Taiwan entwickeln oder dieses gar überholen, eher nicht realistisch. Rund fünfzig Prozent der gesamten wirtschaftlichen Wertschöpfung eines Chips entstehen im Designprozess, während Front-End- und Back-End-Fertigung zusammen nur etwa dreißig Prozent ausmachen. Zwar verarbeitet Sachsen vier- bis achtmal so viele Wafer wie Bayern, beschäftigt aber umgekehrt viermal weniger Chip-Designer als das südlich von Sachsen gelegene Bundesland. Zudem konzentriert sich die außeruniversitäre Halbleiterforschung in Sachsen derzeit mit rund fünftausend Mitarbeitern auf die Materialforschung, einen Bereich mit lediglich fünf Prozent Wertschöpfungsanteil, während im zukunftsträchtigen Chipdesign nur rund dreihundert Beschäftigte tätig sind.

Sachsens Stärken bei Spezial-Chips und Robotik

Deutschlands und Sachsens eigentliche Marktchancen liegen daher nicht im verlustreichen Wettlauf um universelle Standard- und Consumer-Chips, sondern in hochspezialisierten Nischen, in denen unsere Wirtschaft über weltweite Anerkennung verfügt. Dazu zählen maßgeschneiderte Spezial-Chips für die Robotik, Automatisierungstechnik, vernetzte Industrieanlagen, moderne Medizintechnik sowie vertrauenswürdige Mobilkommunikation und Sensorik. Um diese Stärken auszuspielen, bedarf es anwendungsorientierter Forschungseinrichtungen, die kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zur Mikroelektronik erleichtern. Das Barkhausen-Institut erfüllt dabei eine zentrale Brückenfunktion, indem es Neuentwicklungen über sogenannte Plattform-Chips und Testumgebungen aus dem universitären Labor direkt in die industrielle Anwendung überführt und damit Ausgründungen im Freistaat ermöglicht.

Dazu erklärt Professor Dr. Jörg Scheibe: „Wir müssen in der sächsischen Wirtschaftspolitik mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Unsere realen wirtschaftlichen Chancen liegen in der Robotik, im Maschinenbau und in maßgeschneiderten Spezialchips, welche für die zuverlässige und sichere Elektronik unverzichtbar sind. Wenn wir diese Potenziale voll ausschöpfen wollen, darf die sächsische Forschungsförderung nicht einseitig in Bereichen mit geringer Wertschöpfung verharren. Die Staatsregierung muss anwendungsorientierte Forschungseinrichtungen wie auch das Barkhausen-Institut verlässlich unterstützen, damit die Lücke zwischen wissenschaftlicher Spitzenforschung und industrieller Fertigung für unseren Mittelstand endlich dauerhaft geschlossen wird.“

» Barkhausen Institut

Zurück

Weitere Neuigkeiten

Neues Integrationskonzept im Landkreis Bautzen
Neues Integrationskonzept im Landkreis Bautzen
KV Bautzen•7. Oktober 2026

Neues Integrationskonzept für den Landkreis Bautzen

Der Kreistag Bautzen hat am 28. September mit deutlicher Mehrheit ein neues Integrationskonzept für den Landkreis beschlossen. 48 Kreisräte stimmten für die gemeinsame Vorlage von BSW, Freien Wählern und AfD,...

Mehr lesen
Gabriele Gysi zu Gast bei MdL Eric Recke
Gabriele Gysi zu Gast bei MdL Eric Recke
Landesverband•6. Oktober 2026

Gabriele Gysi zu Gast im Haus des Buches

Am Montag, den 5. Oktober 2026, war Gabriele Gysi zu Gast im Haus des Buches in Leipzig. Auf Einladung des BSW-Landtagsabgeordneten Eric Recke las sie aus ihrem neuen Buch „Die...

Mehr lesen
Das BSW am Tag der Deutschen Einheit in Mödlareuth
Das BSW am Tag der Deutschen Einheit in Mödlareuth
KV Vogtland•5. Oktober 2026

Am Tag der Deutschen Einheit war das BSW in Mödlareuth

Zum Tag der Deutschen Einheit kamen am 3. Oktober wieder zahlreiche Menschen in Mödlareuth zusammen. Der geschichtsträchtige Ort, der einst durch die innerdeutsche Mauer getrennt war und oft als „Little...

Mehr lesen