Blickt man ehrlich darauf, woher die Stimmen für diesen Wahlerfolg stammen, zeigt sich ein ernüchterndes Bild. Entgegen der vollmundigen Ankündigung auf den Plakaten als „Frau gegen Blau“ hat Schwesig eben keine Wählerinnen und Wähler von der AfD zurückgewonnen. Ganz im Gegenteil, sie hat selbst 48.000 Stimmen an die AfD verloren. Eingesammelt hat die SPD ihre Stimmen stattdessen bei den anderen Parteien, nämlich 25.000 von der CDU, 15.000 von den Linken, 10.000 von der FDP und 6.000 von den Grünen.
Das ist kein Erfolg, der auf einer überzeugenden Politik für die Menschen in unserem Land beruht. Es war schlicht das Resultat der sogenannten Aufholjagd gegen die AfD. Manuela Schwesig profitierte von der medialen Berichterstattung deutlich stärker als beispielsweise Sven Schulze von der CDU in Sachsen-Anhalt. Schwesig wurde von den Medien regelrecht nach oben geschrieben.
Doch die eigentlichen Probleme sind geblieben. Die Menschen im Land kämpfen weiterhin mit niedrigen Löhnen, einer schwachen Wirtschaftskraft, einer mangelhaften Gesundheitsversorgung, ständigem Unterrichtsausfall an den Schulen und einem unzureichenden öffentlichen Nahverkehr. Stattdessen dreht sich die öffentliche Debatte in Deutschland seit Wochen fast ausschließlich um Demonstrationen gegen die AfD und in jeder Talkshow um die Brandmauer. Es wird höchste Zeit, dass sich die Politik wieder den echten Sorgen der Bürgerinnen und Bürger widmet und endlich konkrete Lösungen anpackt.
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